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Freifunk
#1
Es war einmal (2002) irgendwo in einem von den Internet-Providern vernachlässigten Stadtteil Berlins, dass die ziemlich gleichzeitig an verschiedenen Enden der Welt geborene Freifunk-Idee auch in Deutschland aufgenommen wurde. Aus der Vision einer Demokratisierung der Kommunikationsmedien durch freie Netzwerke heraus, nehmen die praktische Umsetzung inzwischen Freifunk-Communities in der ganzen Welt in Angriff. Die erste Anlaufstelle für Deutschland ist: https://freifunk.net/ Österreich: https://www.funkfeuer.at/ Schweiz: http://www.openwireless.ch/

Das folgende kurze Video erklärt das Prinzip, wie es mal sein könnte: Viele WLAN Router verbinden sich untereinander zu einem eigenständigen, freien, unzensierten und unabhängigen Netzwerk. Leider sind wir zur Zeit noch weit von diesem Zustand entfernt, außer in manchen einzelnen Straßen oder kleinen Dörfern muss noch durch das Internet getunnelt werden, um größere Distanzen zu überbrücken. Dazu verbinden sich die Freifunk-Router mit zentralen Gateway-Servern von Freiwilligen der Community.



Die Unabhängigkeit und Neutralität wird durch ein "Pico Peering Agreement" sichergestellt, wo sich international alle Freifunker drauf geeinigt haben. Wesentlicher Punkt ist freier Transit: "Der Eigentümer (der Infrastrukturkomponente) bestätigt, die Daten, die seine freie Netzwerkinfrastruktur passieren, weder störend zu beeinträchtigen noch zu verändern." Es gibt also weder Passwortabfragen, noch Vorschaltseiten mit Werbung, noch Filterungen nach bestimmten Inhalten. Ziele der Bewegung sind u.a.
  • Aufklärung und Sensibilisierung zum Thema Kommunikations- und Informationsfreiheit
  • Verminderung der digitalen Spaltung
  • Ungehinderte Verbreitung von Wissen und Ressourcen
  • Menschen dazu befähigen, eigene Netze aufzubauen und zu betreiben
  • Vorhandene und neue Sozialstrukturen fördern und vernetzen
Es gibt einige gemeinnützige Vereine, die Infrastruktur betreiben, aber - und das ist wichtig - Freifunk an sich kann jeder machen, auch ohne Verein! Der Zwang einem Verein beizutreten wäre ja bereits eine Einschränkung der Freiheit.

Die meisten deutschen und ein paar österreichische Communities sind in dem hier verlinkten zentralen Verzeichnis aufgeführt, was einen schönen ersten Überblick gibt: https://freifunk.net/wie-mache-ich-mit/c...ty-finden/

Selber bin ich in der "Freifunk Franken" Community aktiv. Dies ist eine der ganz großen Communities mit über 2.500 Routern. Aus technischen Gründen können sich die Router nicht alle gegenseitig kennen, denn dann wären sie nur noch damit beschäftigt das Netz nach anderen Routern zu durchsuchen. Deshalb ist Freifunk Franken in viele kleinere Netze unterteilt, die sogenannten "Hoods". Die zentralen Gateway-Server vermitteln dann die Verbindungen zwischen den verschiedenen Hoods. Hier ist eine Karte mit den WLAN Routern von Freifunk Franken (grün heißt der Router ist betriebsbereit): https://monitoring.freifunk-franken.de/m...1.10000,10 (Zoom ist auch mit dem Mausrad möglich.)

In den nächsten Beiträgen hier werde ich sowohl meine beiden Router vorstellen, als auch den von mir betriebenen Gateway-Server. Ihr ahnt den Bezug zu OpenSim? Das Gateway ist eine Virtuelle Maschine auf meinem OpenSim Regionenserver. Wink

Selbstverständlich ist es eine ganz tolle Sache, wenn auch andere mitmachen und hier von ihren Freifunk-Projekten berichten! Sei es Hardwarebasteln, Firmware-Experimente auf den Routern, oder was auch immer!

Liebe Grüße,
Mareta
Hyperweb.eu => Server-Tutorial für Linux mit OpenSim, OpenSim Arriba compiliert und für Metropolis konfiguriert!
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#2
Hallo Mareta ;D

Freifunk ist schon intressant, aber ich glaube ich bin hier oben in Ostfriesland schon sehr weit ab von schuss, muss mal schaun ob es hier ein Freifunkt Verein oder sowas in der Art gibt ;D Ein traum wäre ja, wenn sich enige OpenSim User sich zusammentun würde und so ein Freifunk Netzwerk zu bilden ;D Und dann halt über den Freifunk ein Grid von OpenSim Server zu bilden, aber denke das ist wohl zu Utopisch gedacht ;D
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#3
Das wäre klasse! Smile Falls es "da oben" wirklich nichts gibt, kannst du dich ja technisch z.B. an Freifunk Franken halten. Du musst halt einen Router kaufen, für den es Freifunk-Firmware der gewünschten Community gibt. (Theoretisch ist es natürlich möglich, selber bei Null zu starten, aber nicht gerade einfach.) Wir haben eine ziemlich lange Liste unterstützter Router: https://wiki.freifunk-franken.de/w/Portal:Hardware

Solange da oben nichts eigenes existiert, würdest du mit Freifunk Franken in der Hood "Aschaffenburg" auftauchen. Nix für Lokalpatrioten, aber technisch null Problemo.
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#4
Ach ich probier gerne immer wieder was aus ;D Daher ist mir das schon irgendwie egal, ob nun das in meiner GEgend passiert oder halt in den Frankenland ;D Aber ich schau mal, was sich hier tut, hab mal vor Monaten danach gesucht, nach meiner Meinung hatte ich da was gefunden ;D

Hab hier ne Freifunk Karte gefunden ;D
https://www.freifunk-karte.de/

Und dabei festgestellt, das in meiner unmittelbaren nähe ein Freifunkpunkt ist, muss mir natürlich erstmal einen Router besorgen ;D
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#5
Dann mal weiter im Text, diesmal geht es um die Freifunk-Router. Sich am Freifunk zu beteiligen geht auf dreierlei Wegen: Entweder bei den Treffen und der Öffentlichkeitsarbeit mitmachen, oder Technik bereitstellen, oder Software entwickeln. Wer sich für den Technik-Part interessiert, fängt in aller Regel mit einem Freifunk-Router an.

Die Freifunk-Firmware ist so programmiert, dass sich mehrere Router in Funkreichweite gegenseitig finden. Dadurch entstehen die anfangs beschriebenen eigenen Netzverbindungen unabhängig vom Internet. Damit sich die Router erkennen, muss in der Nachbarschaft die Firmware der selben Freifunk-Community aufgespielt werden. Entsprechend ist es wichtig, erst in der regional aktiven Community die unterstützte Hardware zu erfragen. Das liegt einfach daran, dass die Firmwareprogrammierer der Communities nicht beliebig Zeit haben und sich auf eine Auswahl beschränken. Bei etlichen Modellen wurde auch noch kein Weg gefunden, die Firmware des Herstellers durch die Freifunk-Firmware zu ersetzen - schließlich muss die ja dem Router als vermeintliches Update untergeschoben werden. (Nebenbei: Die Herstellergarantie hat sich mit dem Aufspielen fremder Firmware natürlich erledigt.)

   

Ich habe mich für TP-Link WR1043ND entschieden, mit Firmwareversion 3. Auf die Firmwareversion zu achten ist wichtig, damit auch schon passende Freifunk-Firmware vorhanden ist. Viele Händler in der Elektrobucht oder bei den Amazonen geben das leider nicht an. Das D steht für abschraubbare Antennen, weil ich später mal Richtantennen nach Nordwesten zur Stadtmauer einrichten möchte. (Die Blumenkübel-Tarnkonstruktion ist noch nicht fertig.)

   

Der steht jetzt hinter der Fensterscheibe. In Reichweite ist ein kleiner Platz, auf dem unter anderem die Stadtführungen enden. Die kleine Hütte rechts davon gehört einem Sportverein und wird am Wochenende oft für Feiern vermietet. Internetmäßig steckt der Freifunk-Router genauso wie der normale Computer an einem Ethernetport des Kabelrouters von Vodafone (ex. Kabel Deutschland).

   

Südlich liegt der Jugendraum der Pfarrgemeinde, wo wir schon mehrmals Freifunktreffen drin veranstaltet haben. So kam bald die Idee auf, dass es doch schön wäre, bei Freifunktreffen auch Freifunk empfangen zu können. Internet liegt dort keins. Das Gebäude, in dem ich wohne, hat 1 Meter dicke Außenwände. Also war Einfallsreichtum gefragt: Ein Relais vor dem Küchenfenster! Natürlich liegt in der Küche auch kein Internet, dieses muss nun wirklich mit Freifunkmitteln vom Nordfenster vor das Küchenfenster kommen.

Als Routermodell wählte ich diesmal etwas total niedliches, den vermutlich kleinsten Router der Welt. Vertrieben wird er primär für Chinesen, die per VPN die "Große Firewall" durchdringen wollen. Seit einigen Monaten ist das Gerät über Amazon auch in Deutschland erhältlich: GL-Inet AR150
Diesen Router gibt es in einer Version mit abschraubbarer Antenne und einer Version ohne. Leider ist das nicht so leicht an einem Buchstabenkürzel erkennbar wie bei TP-Link. Ich brauchte natürlich eine abschraubbare Antenne!

   

Damit die Antenne draußen vor das Fenster gebracht werden kann, brauchte ich noch ein flaches Antennenkabel zur Fensterdurchführung, eine unabhängige USB-Stromversorgung, ein Holzstück zur Stabilisierung und Klebeband. Statt der ursprünglich gelieferten 2 Dezibel Antenne habe ich eine 3 Dezibel Antenne von dem TP-Link Router verbaut.

   

Fertig sieht das nun so aus, von der Straße aus sieht man nur den schwarzen Pin. (Und wenn man nicht direkt am Fenster steht, sieht man auch das Klebebandchaos auf dem Fensterblech nicht.)

   

Auf der Landkarte im Monitoring ist das Konstrukt total grün: Smile

   
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#6
ganz toll beschrieben, mareta,..grosse Klasse. Lieben Dank dafür. Smile
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#7
Sehr interessant, Danke Mareta ...

Bei uns gibt es: http://www.freifunk-dortmund.de/

In unserer Stadt gibt es aktuell 2 aktive Knoten so ca 100 Meter von mir.
Ein Bäcker und Die Grünen.

Map: http://map.ffdo.de/meshviewer/#!v:m;n:14cc206f9fb0

Damit sowas Sinn macht, benötigt man aber auch eine fette Antenne die was an Leistung kann, oder ?

Sowas z.B. https://shop.omg.de/ubiquiti-networks/an...e/a-13038/

Aber in der Innenstadt, wo ich wohne, macht eh nur ein Rundstrahl-Antenne sinn, oder ?

Uwe
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#8
Hallo Uwe,

wenn du Sichtkontakt (oder zumindest fast) hast, kannst du die 100 m zu den anderen Routern überbrücken, das wäre natürlich im Sinne von Freifunk ganz klasse. Spezielle Antennen sind dafür noch nicht nötig, eventuell halt was mit geringfügiger Richtwirkung wie diese (oder ähnliches von anderen Herstellern):
http://www.tp-link.de/products/details/c...2409A.html

So eine Spezialantenne wie die Ubiquiti AirGrid M5 AG-5G27 ist nur bei expliziten Richtfunkstrecken sinnvoll, weil die (jawohl Big Grin ) Keule dann sehr schmal ist. Auf der Straße unter dem Fenster würde dann keiner mehr was mitbekommen, sondern nur eine bestimmte Gegenstelle. Das ist wohl eher was in Zusammenarbeit mit der lokalen Community, also zum Beispiel zwei Hochhausdächer verbinden und dann von oben jeweils mit weiteren Geräten wieder verteilen.

Die Leistung ist per Gesetz auf einen sehr niedrigen Wert festgelegt. Bei stärkerer Bündelung muss auch die Sendeleistung reduziert werden. Der entscheidende Gewinn kommt dann aus der besseren Empfangsempfindlichkeit aus der gewählten Richtung. Weil Passanten an ihren Smartphones eher keine Richtantennen haben, genügt für den Allgemeinbetrieb wirklich ein Rundstrahler oder eben  leichte Richtwirkung, wenn andere Richtungen eh keinen Sinn ergeben. Bis ungefähr 10 dB Antennengewinn kann ein Rundstrahler übrigens erreichen, wenn er sehr flach abstrahlt - also wenig nach oben und unten. Eine Antenne mit 3 dB mehr als vom Hersteller geht in der Regel ohne Leistungsreduzierung, weil die Hersteller üblicherweise einen Sicherheitspuffer bei der Sendeleistung lassen und auch in der Leitung Verluste sind.

Wenn du keinen weiteren Router erreichen kannst, sind wir im selben Boot: Außer dem eigenen "Relais" kann ich durch die Luft auch keinen Freifunker erreichen.

Liebe Grüße,
Mareta
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#9
Bei uns gibt es ja doch so einige Knotenpunkte.

https://mesh.freifunk.in-kiel.de/
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#10
Die sind ja richtig aktiv bei dir, Dorena!

Ich habe bei euch sogar ein Hochhaus mit Richtfunkverbindungen gefunden. Viele vermeintliche Fernverbindungen im Freifunk sind nicht echt, sondern nur falsch auf der Karte platzierte Router, aber das ist offensichtlich echt:

https://mesh.freifunk.in-kiel.de/#!v:m;n:0019995022a4
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