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Wie umgehen mit Rechtsradikalen?
#11
Also ich bin einmal in Berlin / Ost gewesen, will nicht nun behaupten, das ich ein Experte bin wie die Mensche im Osten von Deutschland vor der Wende getickt haben. Nur ich weiss, das ich einen Kollegen in der Ausbildung gehabt hab, der doch ziemlich rechts war, hat es auch nach aussen getragen und der war in meinen Alter. Das ganze kurt nach der Wende, da ich auch weiss das er in der FDJ war, komme ich persönlich zu der Erkenntnis das es doch schon Faschistische Strukturen in der FDJ gegeben haben muss, ob nun von der Führung gewollt oder nicht oder ob sie es gewusst haben oder nicht, das weiss ich leider nicht.

Aber für mich persönlich ist ein Faschist ein Braunes Arschloch, da kannste hin- oder herwenden. Und wie Ana so schön schrieb, man muss jetzt aufstehen und was dagegen tun und wenn wir mit diesem klitzekleinen Event nur ein klein bisschen was dazu beitragen können, dann sollten wir es tun.
Tschöö

Bogus | PinguinsReisen.de
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#12
(05.09.2018, 16:45)Klarabella Karamell schrieb: Liebe Otter, dass die nationale Volksarmee direkt auf der Wehrmacht aufbaut, ist gesichertes Forschungsergebnis, und erzähl mir nicht, dass es in der Wehrmacht keine Nazis gab... Und da es in beiden Teilen Deutschlands nicht wenige Nazis gegeben hat, werden die sich im real existierenden Sozialismus nicht einfach in Luft aufgelöst haben.
Und nein, zunehmender Nationalismus, Rassismus und Egoismus sind kein europäisches Phänomen, oder ist etwa Trump kein Nationalist, Rassist und Egoist?
Hat nix damit zu tun, dass die Leute net reif für Europa wären.

Ich zitiere mal Wiki: " Wie bei der Bundeswehr wurde auf ehemalige Angehörige der Wehrmacht zurückgegriffen. Sie kamen meist aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft und waren dort bei antifaschistischen Frontschulen ideologisch vorgebildet und ausgewählt worden.
Also keine Nazis.

Trump ist ein amerikanisches Phänomen, das man gesondert betrachten muss, ich sehe keinen weltweiten Rechtsruck.
Und mit Holocaustrelativierern streit' ich mich jetzt nicht weiter rum, als nächstes kommt sonst noch: "Die Juden sind ja auch nicht besser, was die mit den armen Palästinensern machen!"
Hier noch ein Link zum Thema Qualität und Quantität: Dialektische Grundgesetze

LG, Otto
a hora é agora
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#13
Gegen das Etikett "Holocaustrelativierer" möchte ich mich doch auf's schärfste verwahren. Ich habe lediglich auf die Tatsache hingewiesen, dass der Holocaust und die Toten des 2. Weltkriegs zeitlich in die gleiche Periode fallen die Wurzeln zu dieses fraglos schrecklichen Entwicklung aber bereits deutlich früher liegen.

Und was "Quantität und Qualität" angeht sind die verschwurbelten Ausführungen des Herrn Engels doch einiger Kritik unterworfen, wie man im weiteren Verlauf des von dir verlinkten Artikels auch nachlesen kann.

Und was die "antifaschistischen Frontschulen" angeht, die sind wie dir sicher nicht entgangen ist in den Jahren 45 bis 50 in der Sowjetunion angesiedelt, also im Stalinismus, waren also selbst faschistisch. Merke: Nicht alles was "sozialistisch" heißt, ist es auch - ein Gleiches gilt für das Adjektiv "antifaschistisch"
Wer nicht weiss wohin er will, der kommt leicht woanders hin.
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#14
Ottilein, da musst du mal genau hingucke, dann kannst auch den weltweiten Rechtsruck sehen... z.B. Australien, z.B. Japan, z.B. Thailand.
Ähm, wenn man in sowjetischer Kriegsgefangenschaft war und da die Schul besucht hat, fällt des Nazi gewesen sein so einfach ab, gelle? Hab leider das Buch net mehr, des war eine Forschungsarbeit mit dem Vergleich des Aufbaus der nationalen Volksarmee und der Bundeswehr...
Steinewerferin.  "Gehst du zum Schlammschlachten, vergiss die Steine nicht!"


dorenas-world.de:8002:bella klara
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#15
Ähmm .. bitte hier nichts mit dem Holocaust oder ähnliches posten, das ist sehr gefährlich. Nicht für euch, sondern für  mich als Hoster, kann schnell nach hinten losgehen ..
Tschöö

Bogus | PinguinsReisen.de
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#16
(05.09.2018, 21:46)Bogus Curry schrieb: Ähmm .. bitte hier nichts mit dem Holocaust oder ähnliches posten, das ist sehr gefährlich. Nicht für euch, sondern für  mich als Hoster, kann schnell nach hinten losgehen ..

Bogus, man darf den Holocaust nicht leugnen oder verherrlichen, das ist gut und richtig, darüber reden bzw schreiben durchaus.
Ansonsten wäre er früher oder später totgeschwiegen, mal so am Rande von mir bemerkt ...
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#17
(05.09.2018, 02:45)Otto vonOtter schrieb: Lange Rede, kurzer Sinn: Die CDU/CSU hat sich ein Monster erschaffen, das sie jetzt in den Arsch beißt, viel Mitleid mit Merkel habe ich daher nicht. Ich frage mich eher, warum die Linke es nicht schafft, diese frustrierten und entrechteten Menschen aufzufangen. Wäre das nicht unsere Aufgabe? Oder sind wir schon so weit weg vom Proletariat, dass wir nicht mal mehr in den Ärmel schnäuzen?

Ganz einfach einfach: weil es keine wirkliche Linke mehr gibt. Die SPD ist zum ewigen Juniorpartner der CDU mutiert, und absolut nicht mehr links - Stichwort Teilhabechancengesetz, oder das Leiharbeitsgesetz von Nahles.

Die Grünen kümmern sich immer noch um den Umweltschutz, nachdem ihnen ihr Kernthema "wir sind gegen Kernkraft" abhanden gekommen ist, und ansonsten hauptsächlich um spinnerte Themen wie die Entgenderung der Sprache, Einführung von Unisextoiletten und einen solchen Schmarrn, der einfach an der Lebensrealität der meisten Mitmenschen meilenweit vorbei schrammt und die sich nur fragen, ob die Politik nichts besseres als das zu tun hat.

Und die Linken sind zweigespalten in ein inzwischen verdammt rückgratloses Lager, das gerne endlich auch mal mitregieren würde unter Katja Kipping, und die dafür bereitwillig wirklich alles, was noch Links wäre, über Bord schmeißen würden. Und in das Lager um Wagenknecht, die im Grunde inzwischen das vertritt, was ursprünglich mal hauptsächlich moderate, sozialdemokratische Themen waren, und für die Armen einsteht.

Zum Thema Kiipping empfehle ich mal eine Runde auf burks.de lesen, was diese Frau so für Sachen vom Stapel lässt, wie beispielsweise " In einem ersten Schritt muss es gelingen, das diskursive Feld zu verschieben". Das versteht doch kein Mensch, und wer nicht verstanden wird, der wird auch wohl kaum gewählt, oder?

Und zum Thema Spaltung der Linkspartei in zwei deutlich unterschiedliche, gesellschaftliche Lager, die sich absolut nichts mehr zu sagen haben, die neue Mittelschicht und Gefühlsllinken. vs. die Untermenschen, empfehle ich diesen Artikel von Christian Baron aus dem Neuen Deutschland namens "Getrennte Lebenswelten": https://www.neues-deutschland.de/artikel...elten.html

Diese messerscharfe Analyse von Baron zeigt wunderbar auf, wieso die Linkspartei alleine kein Heilsbringer sein kann, und warum Wagenknecht ihre Sammlungsbewegung ins Leben gerufen hat. Ohnehin spricht ja Wagenknecht schon seit längerem offen von Mobbing gegen ihre Person, da einige sie am liebsten aus der Partei entfernt sehen würden.
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#18
(05.09.2018, 21:25)Anachron schrieb: Gegen das Etikett "Holocaustrelativierer" möchte ich mich doch auf's schärfste verwahren. Ich habe lediglich auf die Tatsache hingewiesen, dass der Holocaust und die Toten des 2. Weltkriegs zeitlich in die gleiche Periode fallen die Wurzeln zu dieses fraglos schrecklichen Entwicklung aber bereits deutlich früher liegen.

Ich glaube nicht, dass Holocaust und WKII zufällig in dieselbe Periode fallen, sie sind untrennbar mit der nationalsozialistischen Ideologie verbunden. Der Holocaust war für Hitler der Krieg im Inneren, gegen die inneren Feinde Deutschlands. Dass die Wurzeln schon viel früher liegen, ist unbestritten, Antisemitismus ist seit dem Mittelalter gut belegt. Es gibt übrigens eine interessante Biografie von Brigitte Hamann über Hitlers Wiener Jahre, die einiges an seiner Person erhellen.
 
(05.09.2018, 21:25)Anachron schrieb: Und was "Quantität und Qualität" angeht sind die verschwurbelten Ausführungen des Herrn Engels doch einiger Kritik unterworfen, wie man im weiteren Verlauf des von dir verlinkten Artikels auch nachlesen kann.

Genau dort kann man auch nachlesen, dass der Abschnitt "Kritik" als ungenügend angesehen und um Überarbeitung gebeten wird, weil dort nur ein einziger, antimarxistischer Kritiker zitiert wird und nicht "einige".
Wir können gerne Engels kritisieren, aber der dialektische Sprung ist ja nun mal in der Naturwissenschaft gegeben und auch in der Psychologie oder wenn man zum Beispiel eine Sprache lernt und plötzlich spricht man sie.
 
(05.09.2018, 21:25)Anachron schrieb: Und was die "antifaschistischen Frontschulen" angeht, die sind wie dir sicher nicht entgangen ist in den Jahren 45 bis 50 in der Sowjetunion angesiedelt, also im Stalinismus, waren also selbst faschistisch. Merke: Nicht alles was "sozialistisch" heißt, ist es auch - ein Gleiches gilt für das Adjektiv "antifaschistisch"

Das Wort "Faschismus" ist in der Tat nicht ganz klar definiert, darum vermeide ich es meist.
Stalinismus steht allerdings in der Tradition von Marx und Lenin, wohingegen sich der Faschismus in seiner ursprünglichen Bedeutung als antimarxistisch versteht. Die philosophischen Grundlagen sind also ganz andere.
Die Ähnlichkeiten beider Regime bis hin zur Judenverfolgung (2. Säuberungswelle) ist zum einen der psychopathologischen Persönlichkeitsstruktur beider "Führer" geschuldet und zum anderen einer Zeit, die durch Kriege und Umstürze geprägt war; ein Menschenleben galt nichts.

Von den Parallelen abgesehen waren die "antifaschistischen Schulen" also marxistisch geprägt. Wenn man sich mit Marxismus und mit Nationalsozialismus einmal näher befasst, wird man feststellen, dass zwei Ideologien grundverschiedener nicht sein könnten, denn die eine baut auf Logik auf und die andere auf emotionalem, vom Hass gelenkten Denken. Wäre das alles dasselbe, wäre ich ja jetzt auch ein Nazi und bei "gegen Rechts" gegen mich selbst.
Ich verwehre mich strikt dieser "die Linksradikalen sind genau so schlimm"-Argumentation, denn wir werden nicht vom Hass geleitet, sondern von der Vernunft.
 
(05.09.2018, 21:34)Klarabella Karamell schrieb: Ottilein, da musst du mal genau hingucke, dann kannst auch den weltweiten Rechtsruck sehen... z.B. Australien, z.B. Japan, z.B. Thailand.
Ähm, wenn man in sowjetischer Kriegsgefangenschaft war und da die Schul besucht hat, fällt des Nazi gewesen sein so einfach ab, gelle? Hab leider das Buch net mehr, des war eine Forschungsarbeit mit dem Vergleich des Aufbaus der nationalen Volksarmee und der Bundeswehr...

Ehrlich gesagt sehe ich es da eher als Teil einer natürlichen Schwankung. Ich kann mich irren, aber ich finde es in Europa besonders auffällig oder als definitive Tendenz erkennbar momentan.
Das Nazi sein fällt nicht einfach ab, aber eine Gehirnwäsche hilft vielleicht mehr als keine Gehirnwäsche.
Dass die Armeen beider deutscher Staaten mit der Hilfe ehemaliger Wehrmachtsangehöriger und Angehöriger der Streitkräfte der jeweils zuständigen Befreier aufgebaut wurden, ist bekannt und war eine logistische Notwendigkeit.
Bei uns wurden Kasernen jedenfalls nicht nach ehemaligen Wehrmachtsgrößen benannt.
Wo kommt nur dieser Irrsinn her, dass in der DDR lauter Nazis herumgesessen wären? Die wären doch wegen ihrer Meinung in den Knast gekommen und waren darum alle schon vor '61 ausgewandert.
 
(05.09.2018, 21:46)Bogus Curry schrieb: Ähmm .. bitte hier nichts mit dem Holocaust oder ähnliches posten, das ist sehr gefährlich. Nicht für euch, sondern für mich als Hoster, kann schnell nach hinten losgehen ..

Es gibt das Recht auf freie Meinungsäußerung in diesem Land. Jeder darf über alles reden und eine Meinung haben. Man darf nur seine Meinung nicht populistisch verbreiten, wenn man zufällig ein Holocaust-Leugner ist, das gilt aber nur für Deutschland. Es gibt auch hier kein Gesetz, das Holocaustgespräche verbietet. Selbst wenn hier stünde: "Ich glaube eigentlich nicht, dass der Holocaust stattgefunden hat und dass die Erde eine Kugel ist", wäre das noch keine Volksverhetzung und völlig ohne Konsequenzen für Dich.

LG, Otto
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#19
(05.09.2018, 18:00)Bogus Curry schrieb: Also ich bin einmal in Berlin / Ost gewesen, will nicht nun behaupten, das ich ein Experte bin wie die Mensche im Osten von Deutschland vor der Wende getickt haben. Nur ich weiss, das ich einen Kollegen in der Ausbildung gehabt hab, der doch ziemlich rechts war, hat es auch nach aussen getragen und der war in meinen Alter. Das ganze kurt nach der Wende, da ich auch weiss das er in der FDJ war, komme ich persönlich zu der Erkenntnis das es doch schon Faschistische Strukturen in der FDJ gegeben haben muss, ob nun von der Führung gewollt oder nicht oder ob sie es gewusst haben oder nicht, das weiss ich leider nicht.

Tja, wie du schon so schön sagst, war das nach der Wende. Vor der Wende gab es lauter Jugendliche, die etwas gegen den Staat hatten. Gegen die DDR im besonderen, aber auch gegen Hierarchien allgemein, es waren ja rebellische Jugendliche.
Als Rechte oder als Nazis haben wir uns vor der Wende nie gesehen, Hakenkreuzschmierereien waren eine Provokation, genau wie ein Irokesenschnitt. Im Prinzip waren wir am ehesten noch Anarchisten.
Die FDJ hat keiner ernst genommen. Die Struktur dort war naturgemäß dezent paramilitärisch und streng hierarchisch. Das ist sie bei den Pfadfindern aller Nationen und auch in vielen Firmen.

Ich werde mal schildern, wie das so war bei der FDJ: Irgendwann in der 7. Klasse kam man in diese FDJ und musste nicht mehr mit dem uncoolen Pionierschlips rum rennen, sondern bekam ein cooles, blaues Hemd für Erwachsene. Nach einiger Zeit wurde einem klar, dass dieses Hemd auch irgendwie uncool ist und man lieber eine Stonewash-Jacke von Lewis haben will.
Jeden Montag in der Schule mussten alle so verkleidet antreten, dann wurde ein sozialistisches Lied gesungen, alle wurden durchgezählt und der Oberpionier machte Meldung. Dann laberte der Direktor 5 Minuten lang irgendwas über Frieden und Sozialismus, was zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus ging. Dann gab es wieder ein Lied von der 2. Klasse über unsere Soldatenpaten und die Tomaten. Dann konnte man sich endlich wieder irgendwo hinpflanzen und das wars.
Natürlich gab es auch politische Schulungen einmal pro Woche, aber da wir alle ohnehin überzeugte Sozialisten waren, haben wir die Zeit lieber genutzt, um Probleme in der Klasse zu besprechen.

Privat haben wir auch andere Dinge besprochen, gewisse Zweifel oder logische Verständnisprobleme zum Thema "Antifaschistischer Schutzwall". Aber nie im Leben hätten wir uns mit dem Nationalsozialismus identifiziert. Das war eine absolute Minderheit, die das cool fand. Diese Leute hatten es übrigens besonders schwer und kamen in diese Werkhöfe. Nicht nur die, aber die auf jeden Fall.
Jetzt kommt ein wichtiger Aspekt der DDR-Geschichte zum tragen, nämlich der, dass dort alle Großbürgerlichen, Industriellen, Großgrundbesitzer und auch die meisten Adligen schon längst die Kurve gekratzt hatten und die Bevölkerung tatsächlich aus Proletariern und Bauern bestand. Die Gesellschaft in der DDR war vertikal äußerst durchlässig (Aufstiegschancen), wenn man nach den richtigen Regeln spielte. Also spielten alle danach. Unterschicht, die nach oben will. Das ist auch eine Parallele zum Nationalsozialismus, die noch nicht genügend beleuchtet wurde.

In dem Moment jedenfalls, als das alles weg fiel, konnte man so viel Nazi sein, wie man wollte - nichts passierte. Ein Kumpel von mir lief wochenlang als Adolf Hitler verkleidet und frisiert herum und nichts passierte. Wir kifften vor den Augen der Volkspolizei - nichts.
Und dann kamen die DVU und wie sie alle hießen und erklärten uns mal, wie die Welt wirklich funktioniert. Also, coole Wessis mit echtem Westgeld und Westautos, die schon 25 sind und sich mit uns abgeben, uns Schnäpse kaufen ...
Alle meine Freunde von damals sind Neonazis geworden und ich habe das mit angesehen. Es soll mir bitte keiner erzählen, wer wir vorher waren und wer hinterher.

LG, Otto
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#20
Hallo Bart,
ich nehme mir mal die Dreistigkeit, die Kurzform zu verwenden und verzichte auch auf Zitate, sondern springe direkt in den Swimmingpool.
Ich stimme zu, dass es keine wirkliche Linke mehr gibt. Man sieht ja hier, dass wir uns nicht einmal auf den kleinsten gemeinsamen Nenner Hegel/Marx/Engels verständigen können. Die SPD wird von einem Großteil der Bevölkerung als "die CDU für Atheisten" betrachtet und genau genommen ist sie genau das.

Ich verbeiße mich jetzt nicht an einem Gesetz, denn es sind in dieser Republik schonso viele abscheuliche und menschenverachtende Gesetze verabschiedet worden, dass es auf das eine auch nicht mehr ankommt.
Umweltschutz ist wichtig, aber ist traditionell ein Thema der Rechten. Die ersten Tierschutzgesetze in Deutschland entstanden in der NS-Zeit, um jüdische Metzgermeister zu ärgern und nur darum.
Es ist heutzutage noch so, dass Schächtungen (oder halal Schlachtungen) nur durchgeführt werden dürfen, wenn der betreffende Metzgermeister (ja, er muss außerdem ein Metzgermeister sein!) nachweisen kann, dass es sich um einen religiösen Akt handelt. Ich als Privatperson darf nicht mal ein Kaninchen schlachten oder in meinem Vorgarten einen Baum fällen. Geschweige denn eine Schächtung. Dennoch, die Weltmeere sind derart verplastikmüllt, dass es in 50 Jahren keine Menschheit mehr geben wird, wenn man dem nicht Einhalt gebietet und das ist dann das wichtigere Thema. Kein linkes Thema, sondern ein übergeordnetes.

Ich persönlich halte auch viel von Genderthemen, gerade im Zusammenhang mit "Was ist eigentlich Rechts?". Es geht ja bei einer faschistoiden Ideologie immer um einen Überlegenheitsgedanken. Männer sind besser als Frauen, Weiße besser als Schwarze, Heterosexuelle besser als Homosexuelle. Wir als Gesellschaft sind jetzt eben an einem Punkt angekommen, wo wir einsehen müssen, dass unser aller Kulturen auf der Unterdrückung von Frauen (oder besser der Ausnutzung des kostenlosen Produktionsfaktors Frau) fußen und dass wir viele Dinge, die wir über Frauen sagen, so nicht über Schwarze sagen dürften, ohne als Nazis da zu stehen.
Frauen können nicht einparken = Neger sind dumm.
Die Abschaffung des offiziellen Geschlechts könnte viele Probleme lösen, es gäbe gar keine Homosexuellen mehr, wenn Bürger/in X und Bürger/in Y einander heiraten dürften, wie sie wollen. Dummerweise würde dann unsere ganze Welt nicht mehr funktionieren, weil keiner mehr mein Hemd bügelt. Das ist doch das Problem der konservativen Kräfte, darum hauen sie einem ihre staubtrockene Bibel um die Ohren, die haben einfach nur keinen Bock ihre Scheiß Wichsflecken selber aus ihren Socken zu schrubben, soll Mami machen.
Ich verstehe nicht, wie man sich Genderthemen verweigern kann, wenn man sonst für Menschenrechte engagiert ist.

Frau Wagenknecht ist ein Ding für sich. Ich mag die als Person nicht, denn ich habe den Eindruck, es mit einer DDR-Superpionierin zu tun zu haben, die alles brav auswendig gelernt hat und es uns jetzt im veralteten Duktus einer untergegangenen Welt um die Ohren haut. Ich vermisse Rosa Luxemburgs Esprit bei dieser billigen Kopie. S.W. muss endlich mal aus dem Schatten ihrer selbstgewählten Übermutter treten, sich eine Glatze rasieren, mit zwei Ukrainerinnen gleichzeitig Oralsex haben, den Himalaya besteigen, einen Marathon laufen und hundert Liebesgedichte für die Mondin verfassen oder sonst irgendwie den Eindruck erwecken, sie sei kein Roboter.

Dass Akademiker sich mitunter kompliziert ausdrücken, muss man als Jargon bewerten. So ähnlich wie: "Isch mach disch Krankehaus alda" ist auch der Satz: "In einem ersten Schritt muss es gelingen, das diskursive Feld zu verschieben" nur Ausdruck eines Subkultur-Slangs. Es ist aber auch ein Symptom.
Als linker Theoretiker müsste man sich mal mit den normalen Menschen beschäftigen und dazu lässt sich kein Mode-Linker herab. Das sind Zahnarztsöhnchen aus Ulm, die vom Papa eine Wohnung in Berlin gekauft kriegen, ist ja scheißegal wenn Schosche Jablonsky jetzt nach Marzahn ziehen muss. Dabei wäre genau Schosche das Zielpublikum, aber wichtiger ist es, einen Job bei Universal zu bekommen, veganen Kaffee zu trinken und die Bar unter der Wohnung, wegen der man einst nach Berlin gezogen ist, jetzt, wo man Kinder hat und Anwalt ist, wegen Ruhestörung zu verklagen.
Diese Leute haben keine Ahnung wie es ist, zu dritt im Pappkarton zu wohnen und seine Schuhsohlen zu fressen. Klar hört denen keiner zu, denn sie sind Theoretiker und kein Stück involviert in die Lebenswirklichkeit einfacher Menschen. Im Gegenteil, sie vertreiben die Indianer und stecken sie ins Reservat Hellersdorf.

Wir haben es also zu tun mit Altlinken, deren Sichtweise nicht mehr zeitgemäß ist und mit Neulinken, die keinerlei Bezug zum Proletariat mehr haben. Welcher Proletarier versteht Marx? Nur der, der ordentlich ausgebildet wurde.
Diese Bildung zu erlangen ist in der BRD ein Kampf, ich zahle immer noch mein BAFöG zurück. Hätte ich mir doch einen gebrauchten Porsche gekauft ^^
Wie viele Leute haben wohl "Das Kapital" gelesen, haben mehr als 10 Jahre lohnabhängig gearbeitet und sind unter 30?
Solche Leute gibt es nicht. Es gibt nur elitäre Theoretiker, die von den Problemen der echten Menschen keine Ahnung haben und genau da hinein spatelt die Rechte wie Anno Dunnemals.
Der Philosoph ist eben nichts wert, wenn ihn das Volk nicht versteht. Das ist das grundlegende Problem der Linken schon immer gewesen, liebe Mitrevolutionäre und innen. Eine von Bürgerlichen erdachte Utopie und eine Mutter, die kein Geld hat, ihren Kindern Frühstück zu kaufen, treffen sich in einer Bar...

However, ich predige schon wieder den Gläubigen.
LG, Otto
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